Wörtererörterbuch “Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda”
Von Mathias Priebe | 25. Januar 2011 | Kategorie: Medien | 12 KommentareUm es mit dem Propaganda-Begriff, bzw. Unwort des Jahres 2010 zu sagen: Diese Arbeit war “alternativlos”! Ich schreibe ein Buch. Schon lange reizt und beschäftigt mich das Thema “Propaganda”. Ergebnisse meiner Studie zur NATO-Kommunikation im Kosovo-Krieg waren bereits viel beachtet worden. Dazu gehörten Veröffentlichungen beim Deutschlandfunk, in journalist und PR-Report sowie in einem Schulbuch zur Mediendemokratie. Nun schreibe ich also an einem Wörtererörterbuch zur Propaganda. Und Sie können mir helfen, das Werk zu vollenden!
Es gibt in Deutschland nur sehr wenige, ausschließlich wissenschaftliche Bücher, die sich des Themas annehmen. Ein Sachbuch, das auch Menschen verstehen, die nicht Publizistik studiert haben, kenne ich nicht. Das beste Lesebuch zur Propaganda, Phillip Knightley: “The First Casualty” ist niemals ins Deutsche übersetzt worden, obwohl der Autor es zwischen 1975 und 2004 immer wieder um die jeweils letzte Propagandaschlacht aktualisiert hat. Warum eigentlich nicht? Es sollte meiner Meinung nach in jeder Redaktion und Schulbibliothek zur Hand sein! Für mein “Wörtererörterbuch” brauche ich Ihre Unterstützung.
So schreiben Sie mit am Wörtererörterbuch Propaganda – Deutsch / Deutsch – Propaganda
Zunächst ein Hinweis: Propaganda stellt für mich keine Wertung dar. Der Begriff beschreibt einen Zustand politischer Kommunikation. Vor allem im Wahlkampf und im Krieg tappen Politik, Medien und Öffentlichkeit immer wieder in die Propaganda-Falle. Davor schützen Demokratie und Zensurverbot keineswegs. Das Unwort des Jahres 2010 “alternativlos” ist ein gutes Beispiel. Die Publizistin Cora Stephan brachte es heut morgen im Deutschlandradio so auf den Punkt: “Alternativlos heißt: ich habe keine Wahl, ich kann also auch nichts tun und Widerstand ist zwecklos. Wäre man humorlos, würde man das totalitär nennen, denn eine solche Behauptung macht Wähler und Steuerbürger mundtot.”
Welche Propaganda-Begriffe fallen Ihnen ein? Schreiben Sie mir!
Das beste Mittel gegen Propaganda ist übrigens, das Schweigen der Mehrheit zu beenden und auf die Klugheit der einfachen Menschen zu vertrauen. In der Kommunikationstheorie heißt das “Konzept der Gegenöffentlichkeit”. Praktisch bedeutet es: Noch nie konnten über Soziale Medien Menschen Ihre Meinung so unmittelbar austauschen wie heute. Deshalb, helfen Sie mir bitte, dieses wichtige Buch zu schreiben!
Im Kommentarfeld zu diesem Eintrag auf meiner Webseite können Sie mir Begriffsvorschläge, interessante Links, Hinweise und Meinungen schicken. Gern auch per Email an mail@mathias-priebe.de. Bitte teilen Sie diesen Beitrag auch auf Facebook und Twitter und in anderen Netzwerken.
Beispiele für typische Propaganda-Begriffe
Als Anregung sind hier ein paar der ersten Wörter, die bereits im Manuskript stehen:
- alternativlos
- asymmetrischer Krieg
- Einsatz
- Augenzeugen
- Kollateralschaden
- Operation
- Präzisionswaffen
- robustes Mandat
- Smart Bombs
Zu jedem wird es eine “Übersetzung” und eine Erläuterung geben. Warum ist der Ausdruck mit Vorsicht zu genießen? Welche besseren, klareren Ausdrucksweisen gibt es?
Nun sind Sie dran! Ich freue mich auf Ihre Anregungen und bedanke mich für Ihr Interesse an meiner Arbeit.





[...] uns den Blick wie Rauchbomben, die den Vormarsch des Staates in die Verbotszone von Zensur und Propaganda verschleiern. Wehret den [...]
Adel
Der Adel ist in Deutschland abgeschafft. Was einmal ein Titel oder eine Funktion war, ist heute ein Name, nicht mehr. Es ist rechtlich gesehen völlig gleich, ob jemand Freifrau von Sowieso heißt oder Müller. Trotzdem wird das Wort Adel gebraucht, als würde es noch etwas real existierendes bezeichnen. Er schreibt Personen, die bestimmte Namen tragen eine Funktion zu, die sie tatsächlich nicht mehr besitzen. Er insinuiert Elite, wo tatsächlich nur noch ein Name ist. Der Gebrauch des Wortes Adel ist nur dann keine Propaganda, wenn er im Sinne der Geschichtsschreibung oder mit Verweis auf Länder, in denen es noch eine solche erbliche Funktionselite gibt, gebraucht wird. Ansonsten ist er durch “Staatsbürger” /”Staatsbürgerin” zu ersetzen.
Baron – siehe Adel
Freiherr – siehe Adel
Hallo Frau Strasser, na endlich ein Wort mit A
Ich stimme Ihnen gern zu, dass es in der jüngsten politischen Kommunikation tatsächlich einen Trend gegeben hat, ererbte Adelstitel mit Führungselite zu verwechseln. Allerdings wurde nicht der Adel abgeschafft sondern der Gleichheitsgrundsatz eingeführt. Vielen Dank für Ihren Vorschlag!
Ich habe gerade den Kontakt über Heiners Guttenbergkolumne gefunden. Und in diesem Zusammenhang ist mir auch ein Propagandabegriff aufgefallen. Und zwar der Gebrauch des Wortes entschuldigen. In der KTvzG-Affaire tauchte immer wieder sinngemäß der Satz auf “ich habe mich (er hat sich) entschuldigt”. Diese Verwendung ist falsch. Man kann sich nicht entschuldigen. Entschuldigen kann nur der geschädigte. Richtig gebraucht heißt es also: Ich bitte um Entschuldigung. Dann möge man warten und auf die Antwort zum freisprechen von Schuld durch den geschädigten hoffen. Der oben benannte gebrauch sollte suggerieren, daß die Schuld durch das Zauberwort Entschuldigung getilgt sei.
Mit bestem Gruß
Winfried Haas
Lieber Winfried Haas,
vielen Dank für diese interessante Anregung. Es stimmt, entschuldigen kann sich zu Guttenberg eigentlich nur bei seinem Doktorvater, den er ja so richtig verarscht hat. Bei den Wählern muss er sich gar nicht entschuldigen. Diese Atitüde hat wirklich das Zeug zum Propaganda-Mittel. Ich verspreche hiermit eine Fußnote!
[...] Ein interessantes Projekt hat Mathias Priebe gerade auf seinem Schreibtisch: Ein Wörtererörterbuch “Deutsch – Propaganda/Propaganda – Deutsch”. [...]
Hallo Mathias,
Hier ein paar Begriffe die mir spontan zum Begriff Propaganda in den Sinn kommen:
- Brainwash/Hirnwäsche
- Manipulation
- Medienmissbrauch
- Massenmedien
- Mund-zu-Mund-Propaganda
- Einschüchterung
- Politik der Angst
- Terror
- Unterdrückung
- Zensur
- Zensursula – na ja…
Hoffe das bringt dir was. Viel Erfolg bei deinem Projekt.
Viele Grüsse,
Aldo
Hallo Herr Priebe,
wenn ich das hier richtig verstanden habe, dann schlage ich mal diese beiden Unwörter im Zusammenhang mit der atomaren Katastrophe in Japan vor:
“teilweise Kernschmelze” = Verschleierung der katastrophalen Tatsachen
“Sicherheitsphilosophie” , geäußert von Birgit Homburger (FDP) beim ZDF Spezial vom 13. März 2011: hier handelte es sich meiner Meinung doch eher um “Sicherheitsphantasie”
Beste Grüße
Ihr Checkergirl
A wie Angst, nicht nur ein Wort sondern ein schlimmes Motiv in der politischen Kommunikation, bis Z wie Zensur, die auch mit S wie Selbstzensur einhergeht. Vielen Dank für diese Anregungen!
Ja, tatsächlich finden sich auch in der aktuellen Berichterstattung über Japan viele Beispiele für sprachliche Entgleisungen. “Sicherheit” ist auch in anderen Zusammenhängen interessant und gehört ganz sicher ins Wörtererörterbuch. Vielen Dank für diese Anregungen.
Fangen wir doch mal bei dem Wort Propaganda an.
Das heißt heute Öffentlichkeitsarbeit.
Ja, tatsächlich unterliegt der Begriff selbst einer veränderten Wahrnehmung. Allerdings würde ich bei Öffentlichkeitsarbeit im heutigen Verständnis nicht immer von Propaganda sprechen. Abgrenzen möchte ich davon zum Beispiel den (ernst gemeinten) Dialog. Soll’s ja auch geben